Tänze in Südosteuropa - der Reigentanz

von

Teil 1

Wer schon einmal seinen Urlaub in Bulgarien, Kroatien, Serbien, Rumänien oder Mazedonien verbracht hat, hat mit Sicherheit schon mehrmals die im Kreis tanzenden Menschen beobachtet und vielleicht sich von der Tanzdynamik anstecken lassen.

Auf dem Bild sind Frauen zusehen, die den Reigen tanzen.

 

Aber was ist das für ein Tanz gewesen? 

Viele von uns haben bestimmt vom Reigen, Reigentanz oder vom Reihentanz gehört. Der Reigentanz war und ist heute noch in einigen Ländern eine besondere Tanzform zum Beispiel zum Balladengesang beim färöischen Kettentanz.

Diese getanzte Ballade existiert zum Teil heute in Skandinavien.

Wikipedia sagt uns, dass die antike Form des Reigens die griechische Chorea war - "ein vorzugsweise kultischer Tanz mehrerer Personen zu einem Gesang".

Auf dem Bild sind Kinder zusehen, die den Reigentanz tanzen.

 

Der Reigen oder der Kreistanz …

… spiegelt in vielen Ländern, insbesondere im südlichen Osteuropa, die Folklore, das Volkstümliche, Kulturoriginalität wider. In den verschiedenen Sprachen und Ländern trägt er verschiedene Bezeichnungen - man nennt ihn Kolo oder Choro oder auch Choros …

Jedenfalls handelt es sich um einen Kollektiv- und Volkstanz, der vorwiegend auf dem Balkan verbreitet ist. Aber was ist das für einen Tanz? Für viele Kulturen hat er auch mit der kosmischen Energie unseres Sonnensystems zu tun. Dafür spricht die Bewegung der Tänzer, die entgegen dem Uhrzeigersinn erfolgt, so wie sich alle Planeten um die Sonne bewegen.

Dieser Tanz ist andererseits sehr tief mit der Kultur dieser Völker verbunden. Seit Jahrtausenden ist er für die tanzenden Menschen die Quelle frischer psychischer, geistiger und körperlicher Kraft und Energie.

 

Auf dem Bild ist der Horo-Tanz zusehen.

 

Serben, Bulgaren, Rumänen, Mazedonier, Griechen, Albaner …

…. tanzen alle in ähnlicher Weise. Doch es gibt eine Menge an Tanzvarianten nicht nur nach den verschiedenen Nationen, sondern vielfach nach den verschiedenen Regionen.

Man denkt unwillkürlich an die schrille Musik und etwas eigenartig für unser westliches Ohr klingenden Töne des Dudelsacks, der dröhnenden Pauke oder der langen Holzflöte. Aber man hat bestimmt fasziniert die rhythmische mal ruhige oder mal schnelle Bewegung der Tänzer angestarrt und sogar selbst Hand angelegt und aufgeregt mitgetanzt.

Bei vielen Tänzen bedingt der Tanzrhythmus ein Fortschreiten der Tänzer in einer Richtung, das heißt es werden mehr Schritte in einer Richtung als in der anderen ausgeführt.

Je nach Tanz werden zum Beispiel drei Schritte nach rechts und dann wiederrum zwei Schritte nach links ausgeführt. Bei anderen Tänzen können fünf Schritte nach rechts und drei Schritte nach links ausgeführt werden. Es gibt viele verschiedene und zahlreiche Rhythmen.

Jeder Tänzer reicht seinem Nachbarn die Hand, so bildet man eine Kette oder eine Reihe, die sich aber nicht zu einem Kreis schließt, obwohl sich die Tänzer meist im Kreis anordnen. Man kann eine solche Reihe oder Kette aus Männern und eine andere aus Frauen und Mädchen bilden oder Männer und Frauen tanzen gleichzeitig zusammen.

Der Tanz wird von einem Vortänzer oder vor einer Vortänzerin geführt. Er oder sie führt den Tanz und gibt das Tempo vor.

Je nach Musik und Tanzvariante ist das Tempo des Tanzes anfangs mäßig, sogar langsam. Während des Tanzes beschleunigt der Vortänzer allmählich das Tempo, bis es nach einer gewissen Zeit zu rasender Bewegung der Füße und Drehung des ganzen Kreises führt. Es ist ein einzigartiges Bild wie sich die Bewegung der tanzenden Menschen über den ganzen Kreis fortpflanzt.

Die Schnelligkeit kann auch in eine richtige Raserei übergehen und solche Tänze können je nach Anlass stundenlang fortdauern.

 

Horo in Bulgarien

Sehr typisch für die bulgarische Folklore ist die so genannte Rachenitza (ръченица), die ursprünglich als Solotanz bekannt war, heute aber ebenfalls in einem offenen Kreis gerne getanzt wird. Die Schrittkombinationen und die Tanzfiguren des bulgarischen Horos können unglaublich vielfältig sein.

 

Hora in Rumänien

Die Hora gehört in Rumänien zu den traditionellen Tänzen. Die Tänzer halten sich an den Händen, bilden einen großen Kreis und machen diagonale Schritte vorwärts und rückwärts, wobei der Tanz hier auch gegen den Uhrzeigersinn geführt wird.

 

Auf dem Bild sind Dorfbewohner zusehen, die den Hora tanzen.

Horo in der Türkei

Diese Form des Tanzes ist auch in der südwestlichen Türkei stark verbreitet.

 

Für die Musikfans unter Euch …

stellen wir Ihnen der Kolo von Srem (Serbien), 4/4 (schneller Kreis nach links) vor.

Schauen Sie mal:

Auf dem Bild sind die Noten des Kolo von Srem zusehen.

Fortsetzung folgt …

Im 2. Teil unseres Blogbeitrages erzählen wir Ihnen über die moderne Entwicklung dieses Volkstanzes, über Möglichkeiten einen Tanzkurs in einer der zahlreichen Tanzgruppen zu besuchen und sich von der Dynamik und der Rhythmen der osteuropäischen Kultur zu begeistern.

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Ihr Kontakt zu uns:


Eimer & Eimer
Fachübersetzer für Osteuropa e. K.

Hanauer Landstraße 521
60386 Frankfurt am Main

Tel.: 069 41674040
Fax: 069 41674044
E-Mail: info@eimer-eimer.de





Datenschutzerklärung*