Lettlands traditionelles Johannisfest

von Kristina Prostran

Tradition. Ein Wort das in Lettland eine wichtige Rolle einnimmt und seit jeher geehrt wird. Das Erbe der lettischen Folklore wird auch heute noch weitergeführt und manifestiert sich in vielen kulturellen Veranstaltungen, allen voran dem traditionellen Johannisfest.

Im Zeichen der Verbundenheit

Foto Kristaps K

Mittsommer. Das große Sommerfest bringt man unmittelbar mit Skandinavien, speziell Schweden in Verbindung. Doch auch das Baltikum feiert diese magische Zeit, in denen die Nächte so hell sind wie nie, sodass Tag und Nacht verschwimmen.

Die Sonne und das Licht sind Sinnbild für das Leben. Das Bewusstsein für die Vergänglichkeit ist besonders in dieser Zeit allgegenwärtig. Es ist die Zeit, in der man sich auf das Wesentliche im Leben besinnt.

Mittsommer ist in Lettland vor allem unter dem Johannisfest (Jāņi) bekannt. Seinen Ursprung hat es lange vor dem Christentum. Der 24. Juni ist Festtag der Geburt des Heiligen Johannes des Täufers und steht in enger Verbindung mit der zu der Zeit stattgefunden Sommersonnenwende.

Angefangen als heidnisches Bauernfest ist es bis heute ein wichtiger Teil der lettischen Kultur. In der Nacht vom 23. auf den 24.Juni steht Lettland ganz im Zeichen der Tradition. Diese zwei Tage sind in Lettland offizielle Feiertage. Es herrscht eine einzigartige Stimmung und fröhliche Atmosphäre. Tausende von Menschen machen sich auf dem Weg, um in der freien Natur das traditionsreiche Fest zu feiern. Als Symbol für die Fruchtbarkeit werden Kränze aus Eichenblättern und Wiesenblumen geflochten, die von Frauen und Männern getragen werden. Traditionell dazu wird ausschließlich lettisches Bier getrunken und Kümmelkäse gegessen. Die ganze Nacht wird um das Johannisfeuer herum zu lettischen Volksliedern gesungen und getanzt.

Bräuche und Volksglaube während des Festes

Foto Sergei25

Die Letten sind stolz auf ihre eigenen Bräuche und Traditionen. Seit jeher werden sie bewahrt und von Generation zu Generation weitergeführt. Hinter ihnen stecken tiefe symbolische Bedeutungen. Der Natur kommt am Johannisfest eine besondere Bedeutung zu: Wiesenblumen und Gräser haben zur Zeit der Sonnenwende magische Kräfte. Kräuter, die vor der Sonnenwende gepflückt werden, sollen heilende Kräfte besitzen. So werden Festräume mit Zweigen von Birken, Eichen, mit Farn, Margaretenblumen und Rispengräsern geschmückt. Häufig findet man an den Türen Brennnesseln und Kletten, die das Böse fernhalten sollen.

In der Johannisnacht geht man nicht eher schlafen, bis die Sonne aufgeht. Am Morgen des Johannistages ist es Brauch durch den Morgentau zu waten, denn der Volksglaube besagt, dass man dadurch keine finanziellen Sorgen mehr hat.

Die wohl bekannteste Tradition ist aber das Lagerfeuer. Am Abend des 23. Juni kurz vor Sonnenuntergang entzündet man das Johannisfeuer, das bis zum Sonnenaufgang brennen soll. Als Sinnbild für Fruchtbarkeit und Gesundheit soll das Feuer alles Böse vertreiben. Der allgemeine Volksglaube besagt, wer über das Johannisfeuer springt, wird von allem Überflüssigen und Belastendem gereinigt. Pärchen, die zusammen über das Feuer springen, vereint die wundersame Kraft des Feuers. Es ist eine Art Versprechen und Liebesbeweis zugleich.

Hautnah miterleben

Foto Ints Vikmanis

Das Johannisfest findet traditionsgemäß auf dem Land statt. Ob im Familien-, Freundeskreis oder auf großen, öffentlichen Veranstaltungen - In ganz Lettland gibt es unzählige Möglichkeiten das berühmte Johannisfest zu feiern und hautnah mitzuerleben.
Auf dem alljährlichen Kräutermarkt am Domplatz findet man alles, was man dafür benötigt. Im Museumsreservat Turaida, im Freilichtmuseum in Pedvale, und an viele weiteren Orten im Land lässt sich das Traditionsfest gebührend feiern.

Wer im Juni nach Lettland reist sollte in keinem Fall das berühmte Johannisfest verpassen. Erleben Sie, wie Jahrhunderte lange Traditionen geehrt werden und genießen Sie den längsten Tag und die kürzeste Nacht in ausgelassener Stimmung.

 

Foto Raimonds Kalva

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Ihr Kontakt zu uns:


Eimer & Eimer
Fachübersetzer für Osteuropa e. K.

Hanauer Landstraße 521
60386 Frankfurt am Main

Tel.: 069 41674040
Fax: 069 41674044
E-Mail: info@eimer-eimer.de





Datenschutzerklärung*