Gott hat nur Wasser geschaffen, aber der Mensch machte den Wein!

von

Heute möchten wir Ihnen über ein hierzulande eher unbekanntes bulgarisches Volksfest erzählen. Aus meiner Kindheit erinnere ich mich, dass mein Vater an diesem Tag schon früh am Morgen mit einigen Freunden und Verwandten zu einem Weinberg eilte. Zuhause herrschte eine feierliche Atmosphäre und später sammelten sich alle Männer bei einem festlichen Mahl zusammen. Man lachte viel und es wurde reichlich Wein ausgeschenkt und getrunken. Denn am 14. Februar wird traditionsgemäß in Bulgarien der Tag des Weines zu Ehren des Hl. Tryphon (in Bulgarien als Trifon Zarezan bekannt) und zu Ehren aller Winzer und all derjenigen gefeiert, die dem Wein aus Leidenschaft verfallen sind. Der Heilige Trifon (auf Bulgarisch Sveti Trifon) gilt in Bulgarien als Patron des Weines

In der orthodoxen Kirche wird am 14. Februar das Fest von Sveti Trifon feierlich begangen.

Auf dem Bild sind Bulgaren in ihren Trachten zusehen.

Aber wer ist eigentlich der Heilige Tryphon …

… oder Trifon und warum wird er als Patron des Weines verehrt? In anderen Ländern wie
z. B. in Griechenland wird er als Patron der Gärtner, weswegen er oft mit einer Sichel in der Hand dargestellt wird, und in Italien als Stadtpatron von Kotor gefeiert. Es gibt viele Legenden über ihn und er wird sowohl von der orthodoxen als auch von der katholischen Kirche als Heiliger verehrt.

Tryphon wird in Phrygien geboren. Phrygien (griechisch Φρυγία) ist die antike Bezeichnung einer Region im westlichen Zentral-Kleinasien in der heutigen Türkei. Diese Region gilt als die Urheimat der Weinreben und des Weines.

Eine der Legenden erzählt, dass sein Name mit 17 Jahren bekannt wurde, als er die Tochter des römischen Kaisers Gordian III. von einem Dämon geheilt hat. Sein Nachfolger Kaiser Decius, der als Christenverfolger berühmt war, nahm ihn gefangen, stellte ihn vor Gericht, folterte ihn und enthauptete ihn schließlich.

Nach einer russischen Legende …

… flog einem Falkner Iwan des Schrecklichen ein Falke davon, und der Falkner fürchtete um sein Leben. Im Traum erschien ihm Tryphon auf einem Schimmel reitend und mit dem Falken auf der Faust. Am nächsten Morgen fand er den Vogel an eben der Stelle, an der ihm Tryphon nachts im Traum erschienen war.
Daher wird er auch oft auf russischen Ikonen mit einem Falken auf der Schulter dargestellt.

Auf dem Bild ist der Hl. Tryphon zusehen.

Nach der bulgarischen Volkslegende …

… war der Heilige Trifon ein einfacher Winzer, der eine seiner Weinreben schnitt, als seine Schwester die Heilige Maria mit dem kleinen Jesus auf Händen an ihm vorbeiging. Sie wollte am 40. Tag von der Geburt Jesu in der Kirche beten. Trifon lachte sie aus, da sie ein uneheliches Kind zur Welt gebracht hatte. Für diese Worte wollte ihn Maria ja auch bestrafen. Sie ging zu seiner Frau ins Dorf und erzählte ihr, dass ihr Mann sich die Nase abgeschnitten hatte. Die Frau von Trifon war sehr besorgt, nahm Tücher und eilte sofort zum Weinberg, wo sie aber ihren Mann Trifon heil und munter gefunden hatte. Sie erzählte ihm, warum sie hergekommen war. Trifon lachte und zeigte ihr dann, wie man einen Rebschnitt macht. Nicht von oben nach unten, sondern umgekehrt von unten nach oben. Als er ihr dies vorführte, schnitt er tatsächlich seine Nase ab. Daher rührt auch der Name „Zarezan“ her, der im Bulgarischen aus dem Wortstamm „zarjazvam“ kommt, was so viel wie „schneiden“ oder „anschneiden“ bedeutet.

Darum wird traditionsgemäß in Bulgarien an diesem Tag der erste Rebschnitt durchgeführt oder anders gesagt die Weinreben geschnitten. Es werden vor allem die winterharten Weinreben geschnitten. Der Grund ist ganz einfach, der erste Rebschnitt wird durchgeführt, noch bevor der Saft in die Triebe kommt. So kann der Winzer die Anzahl der Knospen und Blüten kontrollieren und bestimmt demgemäß, welche Kraftreserven dem Obstgehölz für das diesjährige Wachstum zur Verfügung stehen.

In der bulgarischen Ikonographie wird der Heilige Trifon als junger Mann dargestellt, der ein Schneidegerät in der Hand trägt. Nach der Volksetymologie um den Namen des Heiligen Trifon und die Schneidetechnik wird für den Rebschnitt eine Sichel verwendet, die in anderen Landschaften auch als Hippe, Sesel, Reber, Häckel, Krume, Schnäcker etc. bekannt ist.

Auf dem Bild ist das Winzerfest zusehen.

Nach dem Gottesdienst im frühen Morgen …

… begaben sich die Männer zum Weinberg. Traditionsgemäß wird der Brauch nur von Winzern ausgeführt. Dort wurden ein oder zwei Weinstöcke geschnitten. Die Wurzeln wurden mit Wein begossen und anschließend mit dem geweihten Trifon-Wasser bespritzt.

Nach dem Rebschnitt versammeln sich dann alle Männer um den festlich gedeckten Tisch, auf dem alles aufgetischt war, was sie von Zuhause mitgebracht hatten. Die abgeschnittenen Weinreben stellten man in einen Weinkrug oder man hat sie in den traditionellen Winzerhütten gesteckt. Später wurde der Weinrebenkranz nach Hause getragen und vor der Ikone des Hl. Trifon gelegt.

In der bulgarischen Volkskultur wird mit diesem Fest der Übergang vom Winter zum Frühling gefeiert und traditionsgemäß die neue Winzersaison eröffnet.

Auf dem Bild ist der traditionelle Wein, der das Winzerfest ausmacht, zusehen.

Dieses bulgarische Volksfest …

… wird seit Jahrhunderten gefeiert und hängt höchstwahrscheinlich mit dem thrakischen Weingott Dionysos zusammen. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich die alten Traditionen und Bräuche mit dem orthodoxen Glauben und Ethik vermischt. Und sie werden heute noch aufrechterhalten und gepflegt. Na, dann zum Wohle!

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Ihr Kontakt zu uns:


Eimer & Eimer
Fachübersetzer für Osteuropa e. K.

Hanauer Landstraße 521
60386 Frankfurt am Main

Tel.: 069 41674040
Fax: 069 41674044
E-Mail: info@eimer-eimer.de





Datenschutzerklärung*