Die Kunst des Handwerks und das kulturelle Erbe Usbekistans

von Kristina Prostran

Handwerk mit Tradition

In Zeiten der Digitalisierung, wo alles sofort abrufbereit und mit einem Mausklick entfernt ist, besinnt sich das Land an der Seidenstraße auf seine Jahrtausend alte Handwerkstradition. So ist vor allem Usbekistans für seine traditionelle Seidenteppichfertigung bekannt. Zentrum für die Seidenproduktion in Usbekistan ist zweifelsohne Marginal. Wenn Sie eine Reise nach Usbekistan planen, sollten Sie in jedem Fall eine Seidenteppichmanufaktur besuchen. Von der bloßen Seidenraupe bis hin zum vollendeten Teppich lernen Sie alles über die Produktion der Seidenteppiche kennen.

Oft arbeiten mehrere Personen vier bis fünf, zum Teil bis zu neun Monate an einem Teppich, was nicht zuletzt den stolzen Preis erklärt. Dabei werden allein für ein Kilogramm Faden ganze 12 000 Seidenraupen benötigt. Der Preis hängt zudem von der Anzahl der Knoten pro Quadratzentimeter ab, denn je mehr Knoten für einen Teppich verwendet werden, desto mehr Arbeitszeit wird schlussendlich benötigt. Neben Teppichen werden aus dem sagenhaften Stoff ebenfalls Seidentücher, Matten sowie Boden- und Wandläufer hergestellt.

Auch die Seidenpapierherstellung ist ein wichtiges Handwerk und Tradition in Usbekistan. Aus der Rinde des Maulbeerbaums, von der sich die Seidenraupen ernähren, wird das feine Seidenpapier gewonnen.

Individuelle Keramikherstellung

Wer noch auf der Suche nach einem geeigneten Souvenir ist, findet in den aufwendig gearbeiteten Keramikkunstwerken ein passendes Geschenk.

Die Stadt Rischtan und der Ort Gijuvan sind für die traditionelle Kunst der Keramikherstellung berühmt. Doch keine von den Kunstwerken ist gleich: Verschiedene Schulen lehren im ganzen Land ihre eigenen Techniken zur Keramikherstellung und verwenden unterschiedliche Muster. Was entsteht sind einzigartige Unikate. So ist der Keramik-Stil im beschaulichen Örtchen Gijuvan beispielsweise durch kunstvolle Ornamente und geometrischer Figuren geprägt, wohingegen in der Stadt Rischtan die Ornamente und Muster der Keramikkunstwerke mit blauer Farbe aufgemalt werden. Allesamt sind sie wahre Meisterwerke der Handwerkskunst und im ganzen Land begehrt.

Das traditionelle Handwerk hat in Usbekistan einen enormen Stellenwert. Nicht nur, dass viele Einheimischen davon leben, sämtliche Werke sind von nationalen Handwerkern und gelernten Meistern mit Herz und Seele geschaffen worden.

 

Architektonische Besonderheiten im Überblick

In den Städten Usbekistans erheben sich zahlreiche malerische Kunstwerke. Prunkvolle Moscheen, Medresen, Museen und viele weitere architektonische Schätze hat das Land an der Seidenstraße zu bieten. Doch was genau macht diese Bauten eigentlich so einzigartig?

 

Ein blaues Meisterwerk

Inmitten der märchenhaften Altstadt von Chiwa (Itchan-Kala) steht das beeindruckende Kalta Minor Minarett. Der 1852 errichtete 29 Meter hohe Turm ist auch bekannt als das „kleine Minarett“. Er gilt als unvollendet, da er ursprünglich etwa 70 bis 80 Meter hoch werden sollte.

Insgesamt umfasst die Festungsanlage in Chiwa 18 Minarette, darunter auch das größte Usbekistans. Doch ist es gerade der „blaue Turm“ der durch sein antikes, orientalisches Aussehen zum Wahrzeichen Chiwas geworden ist.

Auch wenn er nicht das größte Minarett Usbekistans ist, so zählt Kalta Minor doch zu den einzigartigsten. Der Schmuck des blauen Minaretts ist unverwechselbar: Umhüllt von mehreren Ringen aus blauen, türkisfarbenen sowie weißen Fliesen und Ornamenten versetzt er seine Besucher immer wieder in Staunen.

Im Wald voll Säulen

Typisch für Chiwa ist zweifelsohne das traditionelle Handwerk der Holzschnitzerei. Man kann die verschnörkelten Holzschnitzereien an vielen Orten und Gebäuden der Altstadt wiederfinden, so auch in der berühmten Juma Moschee im Zentrum der Altstadt. Die Moschee im Innern des Gebäudes ist mit über 200 kunstvoll geschnitten Holzsäulen ein echter Hingucker. Wer die Moschee betritt, sollte sich einen Moment Zeit nehmen und die unfassbare Handwerkskunst einmal näher betrachten. Die Holzschnitzereien bilden ein interessantes Zusammenspiel aus geometrischen und blumigen Mustern gepaart mit arabischen Inschriften. Die einheimischen Künstler und Handwerker schufen ein wahres Meisterwerk des Kunsthandwerks.

 

Eine Medrese im Wandel der Zeit

Die Barak-Khan-Medrese (Islamschule) gehört zu den bekanntesten Architekturdenkmälern in Taschkent. Der Gebäudekomplex besteht aus mehreren Teilen verschiedener Epochen. Der älteste Gebäudeabschnitt ist ein Mausoleum aus dem 15. Jahrhundert. Der zweite Teil bildet ein großes Mausoleum aus dem 16. Jahrhundert. Im dritten Abschnitt fand in der Mitte des 16. Jahrhunderts eine Renovierung statt. So wurde aus der Mausoleumsanlage eine Islamschule (Medrese). Die Eingangshalle, die von einem Bogen umspannt wird sowie die Verzierungen außerhalb und innerhalb des Gebäudes sind nur einige Merkmale, die die umwerfende Ausstattung der Barak-Khan-Medrese ausmacht.

 

Im ganz großen Stil

Prachtvoll erhebt sich die Bibi Khanum-Moschee in Samarkand, die im 14. Jahrhundert unter der Herrschaft von Timur Lenk erbaut wurde. Obwohl der obere Teil der Moschee mittlerweile eingestürzt ist, weist das Gebäude immer noch eine erstaunliche Höhe von 36 Metern auf. Die Vision von Timur war eine Moschee, die alle anderen übertreffen sollte. Aus sämtlichen östlichen Ländern kamen Architekten, Künstler und Handwerker um den Bau einer gewaltigen Moschee voranzutreiben. All ihr Talent und Wissen floss maßgeblich in den Bau mit ein.

Neben der Hauptmoschee an der Westseite, gab es weitere kleinere Moscheen und Minarette sowie drei Außenkuppeln, die das Erscheinungsbild der Bibi Khanum-Moschee noch gewaltiger machten. Im Außenbereich glänzen die Mauern in prachtvoller Verkleidung mit lasierten Backsteinen. Im Inneren tut sich ein Meer aus Mosaiken, Marmor, Ornamenten und vergoldeten Flächen auf. Timur schuf einen religiösen Mittelpunkt mitten in Samarkand von monumentalem Ausmaß. Ein umwerfender Anblick mit einzigartigem Dekor aus bunten Farben und Mustern. Zweifelsohne ein Ausdruck seiner Herrschaft und Macht.

 

Eine Festung mit Höhen und Tiefen

Nicht nur Moscheen, Medresen und Minarette weisen eine beeindruckende Architektur auf, auch die Festung Ark in Buchara verdeutlicht die unglaubliche Architektur des Landes. Einst diente die Festung als Residenz und Regierungssitz, heute ist sie nur noch ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Im Laufe der Jahrtausende wurde die Festung immer wieder zerstört und wieder neu aufgebaut, weshalb sich mit der Zeit ein 20 Meter hoher künstlicher Hügel gebildet hat, auf dem die Festung nun steht. Die Festungsanlage beinhaltete eine ganze Stadtanlage unter anderem mit staatlichen Institutionen, Moscheen und mehreren Wohnungen für Frauen und Verwandte des Herrschers sowie für hohe Staatsdiener. Der prächtige Eingang der Festung wird von zwei Türmen umschlossen, die über dem Tor durch eine Galerie miteinander verbunden sind. Durch den Eingang hindurch führt der Weg hinauf in die Festung. An den Seiten des Ganges geht der Weg in die Kerker des Festungsgefängnisses. Oben in der Festung befindet sich die einstige Krönungshalle, weitere Räumlichkeiten sowie der Thronsaal im gepflasterten Innenhof mit verzierten Holzsäulen und einer hölzernen Decke. Trotz mehrmaliger Zerstörung ist die Festung Ark ein Ergebnis prächtiger architektonischer Kunst und wichtiges kulturelles Gut der Stadt Buchara.

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